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Online-Beziehungen: Spannendes aus der Wissenschaft
Quelle: C. Eichenberg & C. Küsel, „Von Onlinedating bis Onlinescheidung“, Deutsches Ärzteblatt / PP, Heft 8, August 2017

Bereits seit vielen Jahren beschäftigen sich die Wissenschaftler mit der Frage, wie digitale Medien unsere Beziehungen verändern. Das Internet bietet heute zahlreiche Möglichkeiten an, mit Menschen in Kontakt zu kommen – um gemeinsam Hobbys zu betreiben, um eine Liebesbeziehung zu wagen, um sexuelle Vorlieben zu praktizieren usw. Hier möchte ich ein paar interessante Erkenntnisse und Beobachtungen aus der Wissenschaft zum Thema „Einfluss der digitalen Medien auf Paar- und Familienbeziehungen“ vorstellen, die dem Artikel „Von Onlinedating bis Onlinescheidung“ von C. Eichenberg und C. Küsel zu entnehmen sind.

Wer nutzt die Onlinedating-Portale?

Das Internet hat heute einen enormen Einfluss auf den Beziehungsaufbau: Nach aktuellen statistischen Daten lernt sich jedes dritte Paar online kennen. Bildung und Einkommen spielen dabei keine Rolle. Allgemein suchen mehr Männer als Frauen nach Beziehungen im Internet. Unter Nutzern der Onlinedating-Portale findet man viele Jugendliche, aber auch Menschen zwischen 30 und 50 Jahren.

Welche Besonderheiten haben die Online-Beziehungen?

Onlinedatings weisen sowohl Chancen als auch Risiken auf. Die Vorteile bestehen zum Beispiel darin, dass es durch das Festlegen bestimmter Auswahlkriterien einfacher ist, Menschen mit gleichen Interessen kennen zu lernen. Außerdem hat man mehr Kontrolle bei der Selbstdarstellung, indem man eigene Persönlichkeitsmerkmale und Interessen selbst beschreibt. Zu den Nachteilen gehören zum Beispiel eine höhere Unzuverlässigkeit sowie übertriebene Erwartungen an den Partner.

Eine spannende Beobachtung aus der Wissenschaft zeigt, dass die Online-Beziehungen im Vergleich zu Face-to-face-Kontakten durch eine intensivere Nähe geprägt sind und dadurch zu einer schnelleren Selbstöffnung führen.

Kann aus einer Onlinebeziehung eine feste Partnerschaft werden?

Laut einigen Studien können ca. 30% der Nutzer der Onlineportale eine feste Partnerschaft aufbauen. Die Zeitspanne zwischen dem Kennenlernen und dem Heiraten ist bei Online-Paaren kürzer im Vergleich zu Face-to-face-Paaren. Die Online-Paare haben kein höheres Trennungs- und Scheidungsrisiko.

Können digitale Medien den Partnerschaften schaden?

Ja, hier wird zum Beispiel der Einfluss von Cybersex erforscht. Das suchtartige Nutzen von Internet-Sex kann zu einer enormen Belastung für eine bestehende Beziehung werden. Die Kommunikation mit einem alternativen Partner im Internet kann auch die Untreue begünstigen und die bestehende Partnerschaft negativ beeinflussen.

Können digitale Medien auch bei Partnerschaftsproblemen helfen?

Heute finden sich im Internet auch professionelle Beratungs- und Therapieangebote. Die Wirksamkeit der digitalen Beratungsangebote wurde bereits in vielen wissenschaftlichen Studien belegt. Sogar ein einmaliger Kontakt zur digitalen psychosozialen Beratung kann sich als effektiv erweisen.